Bildband: Hidden Islam von Nicoló Degiorgis

Ansicht4Mit Hidden Islam – Islamic makeshift places of worship in North East Italy, 2009-2013 gibt der italienische Fotograf Nicolò Degiorgis einen Einblick in die versteckten und provisorischen Gebetsorte der muslimischen Community im Nordosten Italiens. Degiorgis selbst hat eine äußerst vielseitige Biographie vorzuweisen. Unter anderem hat er ein Praktikum bei der großen Fotoagentur Magnum Photos in Paris absolviert. Seit 2009 ist er zudem Mitglied der Fotoagentur Contrasto und forscht an der Universität Trieste zu Immigrationsthemen. Weiter ist er Gründungsmitglied von Zona, einer Organisation die durch Projekte soziales Bewusstsein fördert, sowie dem noch jungen Verlag Rorhof, in dem dieser Bildband erschienen ist. Aktuell unterrichtet er zudem Fotografie im Gefängnis von Bolzano

Das Buch umfasst 90 Seiten, wobei 45 Seiten zum Aufklappen sind und sich dahinter großformatige Farbfotos verbergen. Ebenfalls hinter einer solchen Aufklappseite befindet sich auch das Vorwort von dem britischen Fotografen Martin Parr. Darin heißt es zu Beginn:

Consider these facts. In Italy the right to worship, without discrimination, is enshrined within the constitution. There are 1.35 million Muslims in Italy and yet, officially, only eight mosques in the whole country.

Damit ist auch der Ausgangspunkt klar, von dem aus der Einblick in diesen versteckten Teil der Gesellschaft gewährt wird. Diese Verborgenheit spiegelt sich auch im Buch selbst wieder, in dem der Betrachter zunächst nur zwei kleine schwarz-weiß Fotos von den Gebäuden oder Orten vorfindet, in denen sich die provisorischen Gebetsorte befinden. Die schwarz-weiß Fotos zeigen meistens die Eingangsbereiche oder aber Seitenansichten der in acht Kategorien eingeteilten Gebäude. Neben Lagerhäusern, ehemaligen Geschäften und Supermärkten sind dies auch Wohnungen, Garagen und Sporthallen, ja sogar ein Fitnessstudio und eine ehemalige Disco. Auf diesen schwarz-weiß Fotos findet sich dagegen kein Hinweis auf die darin verborgenen Gebetsorte. Erst durch das Aufklappen der rechten Seite wird der Blick in das Innere dieser Orte freigegeben.
Durch die Farbigkeit wirken die großen Fotos lebendig, man merkt, dass an diesen Orten Leben herrscht. Kein buntes Treiben, man merkt jedoch, dass hier etwas stattfindet. Auch die Kinder, die auf manchen Fotos zu sehen sind, drücken dies aus.

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Der Umschlag des Buches zeigt eine Karte vom nordöstlichen Italien, der Raum auf den sich dieser Bildband bezieht. Die Seiten sind aus schwerem beigen Papier. Insgesamt macht der Bildband einen wertigen robusten Eindruck. Unter den schwarz-weiß Fotos befindet sich die Postleitzahl des Ortes, oben auf der Seite ist die Kategorie des jeweiligen abgebildeten Gebäudes zu sehen. Klappt man das Inhaltsverzeichnis auf, findet man eine Übersichtskarte, auf der alle Orte sowie die Kategorie des Gebäudes verzeichnet sind. Dem Betrachter werden so die wichtigsten Informationen gegeben, um sich in diesem Bildband zurecht zu finden. Die tiefere Auseinandersetzung überlässt der Autor dem Betrachter.

Degiorgis provides a fascinating glimpse of hidden world and leaves the conclusions about this project entirely in our own hands. – Martin Parr

Durch Auszeichnungen wie dem Book Award 2014 von Les Rencontres d’Arles sowie dem PhotoBook Award 2014 der Paris Photo-Aperture Foundation wird deutlich, welch herausragende Arbeit Nicoló Degiorgis mit diesem Bildband abgeliefert hat. Und auch wenn der Bildband bereits 2014 erschienen ist macht er auf ein Thema aufmerksam, dass aktueller kaum sein kann.

Nicoló Degiorgis: Hidden Islam
Rorhof, 2014
Gebunden / 90 Seiten / 45 Gate Folds / 16 x 24 cm
ISBN: 978-8890981-70-8

Phom hat einmal durch das Buch geblättert:

Online-Kurs: Seeing Through Photographs

Das New Yorker Museum of Modern Art hat auf der Plattform Coursera einen kostenlosen Online-Kurs zum Thema Fotografie veröffentlicht. In diesem auf sechs Wochen ausgelegten Kurs geht es um die Beschäftigung mit Fotografie um ein tieferes Verständnis von ihr zu erhalten. Unter der Annahme, dass der Umgang mit Bildern im alltäglichen Leben eine immer größere Rolle spielt, kann nicht davon ausgegangen werden, dass wir Bilder deshalb auch „lesen“ – d.h. verstehen – können.

This course aims to address the gap between seeing and truly understanding photographs by introducing a diversity of ideas, approaches, and technologies that inform their making

Der Kurs ist im Stil eines MOOC (Massive Open Online Course) aufgebaut und beinhaltet Videos mit Erklärungen sowie Interviews bekannter Fotografen. Nach einer Einführungseinheit folgt eine Vertiefungseinheit mit Interviews und Erklärungen bzw. Auseinandersetzungen zu bestimmten Themen. Die dritte und letzte Einheit beinhaltet dann jeweils Texte, die das vorher gelernte vertiefen und untermauern. Eine Anmeldung zu diesem Kurs lohnt also schon alleine deshalb, weil man so sehr einfach Zugriff auf Fachliteratur bekommt. Auch werden in diesen Einheiten nützliche Links und Verweise zu weiteren Quellen genannt, so zum Beispiel  die eigene Lernplattform des MoMa zum Thema Fotografie. Zum Abschluss jeder Woche folgt ein Test, in dem das gelernte abgefragt wird. Dieser Test muss jedoch nicht zwingend absolviert und bestanden werden, um mit den darauffolgenden Wochen weiter zu machen.

Der Online-Kurs hat keine Zeitbegrenzung, ein vorgegebenes Zeitlimit erhöht aber die „Motivation“ und kann dafür sorgen, dass man am Ball bleibt. Das Zeitlimit lässt sich jedoch auch abstellen.

Anmelden kann man sich bei Coursera kostenlos, entweder über einen Facebook-Account oder über einen eigenen Coursera-Account. Für 45€ kann man auch ein Zertifikat erhalten, dass man den Kurs absolviert hat. Dazu müssen dann allerdings alle Tests bestanden werden (Anmerkung: Wenn man ein solches Zertifikat am Ende des Kurses kauft, müssen die Test noch einmal absolviert werden, da man sich dabei dann auch identifizieren muss).

Als kleine Einstimmung kann kann ich auf ein fünfminütiges Video zur Geschichte der Fotografie vom Cooperative of Photography verweisen:

(via Petapixel)

Videos: Produktion von Objektiven verschiedener Hersteller

Die Produktion hochwertiger Objektive ist ein aufwendiger Prozess mit vielen aufwendigen Produktionsschritten. Der Beitrag auf PetaPixel hat mich zu einer kleinen Recherche inspiriert. Diese Sammlung einiger kurzer Videos soll zeigen, wie die Objektive der einzelnen Hersteller produziert werden.

Fuji:

„Videos: Produktion von Objektiven verschiedener Hersteller“ weiterlesen

Arte: Ostkreuz – Agentur der Fotografen

Gestern lief auf Arte eine sehr interessante Dokumentation über die Fotoagentur Ostkreuz:

OSTKREUZ ist eine seit 1990 bestehende Berliner Institution für Fotografie. 18 Fotografen verwirklichen gemeinsam ihre Idee einer Autorenfotografie, die mehr will als das schöne Bild. Sie arbeiten frei und im Auftrag, allein und im Kollektiv, für Magazinseiten und für Museumswände. – www.ostkreuz.de

Der Film kann noch bis zum 12.10.2014 in der Arte-Mediathek angesehen werden und ist jedem ausdrücklich ans Herz gelegt.

Glen Craig: Close-Up Miles Davis

Ein kurzes interessantes Interview sowie einige sehr berührende Fotos gibt es aktuell im Leica-Camera Blog. Der Fotograf Glen Craig hatte in den 1970er Jahren die Möglichkeit, für drei Wochen ganz nah dran zu sein am berühmten Jazz-Musiker Miles Davis. In dieser Zeit entstanden, neben einer Freundschaft zwischen den beiden, auch einige sehr persönliche Einblicke in das Leben von Miles Davis. Besonders stechen dabei die Portraits des Musikers heraus, die allesamt sehr intim wirken.

Weitere Informationen zu Glen Craig gibt es leider nur bei der Morrison Hotel Gallery.

DIY LED-Lichttafel und LED-Ringleuchte

Zwei nützliche Utensilien, die für zusätzliches Licht beim Fotografieren sorgen, sind eine LED-Lichttafel (light panel) und eine LED-Ringleuchte. Sowohl Lichttafel als auch Ringleuchten gibt es für teures Geld zu kaufen, mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich diese aber auch selbst bauen. Wie das geht und welche Materialien dafür benötigt werden, zeigen die beiden folgenden Videos von DIY Perks:

LED-Lichttafel:

 

LED-Ringlicht:

(via Petapixel)

Orly Zailer – The Time Elapsed Between Two Frames

In der heutigen Metropolis-Sendung auf Arte (noch bis zum 14.09.2014 verfügbar) wurde auf das Projekt The Time Elapsed Between Two Frames der israelischen Fotografin Orly Zailer hingewiesen. In ihrem Projekt stellt sie alte Porträtaufnahmen mit den Nachfahren der Abgebildeten nach. So wird eine Art Zeitreise möglich, indem sich die Protagonisten mit der vergangenen Zeit zwischen den Bildern und dem Leben ihrer Vorfahren zu der damaligen Zeit auseinandersetzen. Aber auch die Auseinandersetzung mit Fragen der eigenen Identität spielt dabei eine große Rolle. Es werden Fragen aufgeworfen, auf die es häufig keine Antworten, sondern nur Vermutungen gibt „Orly Zailer – The Time Elapsed Between Two Frames“ weiterlesen