To jazz, or not to jazz, there is no question! — Louis Armstrong


Monotonie #1

19. April 2012 von Michael

Jeden Morgen die gleiche Prozedur. Der Wecker klingelt. Einmal Schlummern geht noch. Das ganze drei mal, dann muss er sich doch aufraffen, sich aus dem Bett hieven, erst mal aufsetzen und orientieren. Wenn das Bewusstsein so langsam wieder einsetzt muss er erst einmal den dringend benötigten Kaffee, schwarz und ohne Zucker, zur Aktivierung des gesamten Organismus einfüllen. Erst dann kann er sich unter die Dusche stellen, Anziehen, schnell eine Schüssel Müsli hinunterschlingen und sich auf den Weg zur Arbeit machen. Aus der Haustür raus, das altbauliche Treppenhaus mit den knarrenden Dielen hinunter, die jeden Bewohner dieses Hauses verständlich machen, dass er seine Wohnung verlassen hat, durch die große hölzerne Eingangstür auf die Straße. Der Morgen ist an diesem Tag ziemlich kühl, kleine Schwaden seiner Atemluft vernebeln ihm die Sicht.
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Die Weltstadt Paris und die Bedeutung der Kunst

2. Dezember 2010 von Michael

In diesem Blog geht es normalerweise um das selbst geschaffene Wort, dieses mal jedoch nicht. Ich möchte hier auf einen Artikel aus der ZEIT hinweisen, der für all diejenigen interessant sein dürfte, die sich für Paris und Malerei oder Fotografie interessieren. Unter dem Titel “Wie Paris zur Weltstadt wurde” beschreibt Bernhard Schulz die Bedeutung der Malerei und später auch der Fotografie auf die Sichtweise der sich entwickelnden Stadt Paris.

Im Artikel weist der Autor zudem auf eine aktuell laufende Ausstellung im Museum Folkwang in Essen hin, die eben solche Bilder und Fotografien ausstellt. Die Ausstellung “Bilder einer Metropole – Die Impressionisten in Paris” läuft noch bis zum 30. Januar 2011 im Museum Folkwang.

Rauschen

19. November 2010 von Michael

Komplette Geräuschlosigkeit, Stille. Einzig das dumpfe Rauschen der Heizung ist zu hören. Dann ein helles Rauschen, langsam streicht die Hand über die sanfte Haut, vom Hals, den Rücken entlang, zwischen den Schulterblättern immer der Wirbelsäule folgend bis zum Ende.

Alte Zeiten

16. November 2010 von Michael

Wo sind sie nur geblieben,
die Zeiten,
als der Hausmeister im Herbst,
früh am Morgen nach draußen schlurfte,
einen Besen in der einen und einen Sack in der anderen Hand,
um das auf den Gehweg gefallene Laub,
sorgfältig zusammen zu fegen,
und es anschließend,
in den Sack zu stopfen.

Heutzutage,
kommt eine Mann von einer Firma
für Facility-Managment,
in einem weißen Transporter,
holt sein Laubblasgerät aus dem Laderaum,
zieht zwei drei mal an einer Schnur
und schon geht der Lärm los,
der die armen bunten Blätter
durch die Gegend pustet
auf des Nachbars Grundstück.

Glanzlos

7. August 2010 von Michael

Da stand er nun. Mitten in diesem Raum, kahl, weiße Wände, zerlatschte alte dunkle Dielen und keine Zierleiste am Boden. Es war dunkel draußen, das konnte er sehen, durch die großen Fenster. Zwei Fenster zum öffnen, bevor man an der Luft war. Ganz hinten rechts an der Wand stand ein alter Holzstuhl, ebenfalls weiß, aber mit abblätternder Farbe. Darunter kam das dunkle braune Holz zum Vorschein.

Und das soll es nun also gewesen sein? Drei Jahre, acht Monate und vierzehn Tage. Davor war alles anders, nicht leichter, aber unbekümmerter.

An der Decke hing eine einzelne Glühbirne, nicht weiß sondern gelblich strahlend, in einer Fassung an einem langen weißen Stromkabel. Der Raum war kalt, der Atem aus seiner Nase verwandelte sich sogleich in aufsteigenden Rauch, doch er wirkte warm und heimelig. Ein paar Regale an der Wand, dazu einige schöne Bilder, Landschaftsmalerei, und ein Sessel zum sitzen. So stellte er sich diesen Raum vor. Als Bibliothek würde er sich vorzüglich eignen. Viel Licht zum Lesen, viel Platz zum Stellen. So viel Platz war ihm gänzlich neu. Noch vor einigen Tagen, da war alles gedrängt, eng, stickig, wahrlich ungemütlich. Und nun stand er auf einmal in diesem großen Raum, mit viel Platz und der Vorstellung, wie gemütlich es hier einmal werden könnte.

Im zweiten Raum stand schon ein Herd und ein paar Schränke hingen an der Wand. Nur die alte Tapete verriet, dass hier lange niemand mehr gewesen war. Im Gegensatz zur großen Bibliothek war dieser Raum länglicher, bot kaum Platz für einen Tisch mit zwei Stühlen. Doch viel mehr bedarf es hier auch nicht. Ein bisschen Kochen und gemütlich essen musste man hier nur können. Wenn es noch ein wenig Ablagefläche für ein paar Gartenkräuter gäbe, wäre er glücklich.

Die Zeit erschien ihm ewig, nahezu endlos, da kein Ende in Sicht war. Keine Möglichkeit, die Tage zu zählen, sich mit Durchhalteparolen zum Weitermachen anzutreiben. Und trotzdem hatte er es geschafft, hatte überlebt, es überlebt.

Der Flur erschien ihm endlos. Kaum war man durch die Eingangstür eingetreten, stand man in der Empfangshalle, so zumindest kam es ihm vor. Die Decke schien unerreichbar. Ging man dann an der Küche und dem Schlafzimmer rechts vorbei, so bog der Flur nach links und gab den Blick am Ende des Ganges direkt in den Salon frei. Links befand sich die große Bibliothek. An die Familie hatte er oft gedacht. An die Frau, noch ohne Kinder. In Gewissheit, in der Stadt auf ihn wartend. Die kurzen Briefe aus der Ferne waren wohl nur selten angekommen. Zurück bekam er nie welche. Aber er wusste, dass sie warten würde.

Der Salon war noch ein Stückchen großer als die Bibliothek. Doch im Gegensatz zu ihr waren die Wände an der Decke mit geschnörkeltem Stuck. Hinter den großen Fensterflügeln fand sich ein kleiner Balkon, umrahmt von einem verzierten Stahlgerüst, gerade breit genug für einen Stuhl. Er stellte sich vor, wie er am ersten warmen Frühlingstag auf dem weißen Holzstuhl aus der Bibliothek auf dem Balkon sitzen, den Vögeln beim Singen zuhören oder aber ein Buch lesen würde. Bei dem Gedanken wurde ihm glatt ein bisschen warm in der Brust.

Kalt war es in den Zelten immer gewesen. Und feucht. Es war eine Tortur, am Tag auf dem Feld, abends, wenn überhaupt möglich, in die Zelte, ein paar Stunden schlafen. Bis der Donner sie wieder weckte. Manchmal wünschte er, der Donner würde ihn nicht wecken. Er hatte keine Lust mehr gehabt. Eine Kugel in den Kopf und das wäre es gewesen. Doch er war zu feige, zu schwach, zu klug, zu nachsichtig. Jetzt freute er sich, dass er es nie getan hatte, dass es ihn nie getroffen hat.

Drei Jahre, acht Monate und vierzehn Tage später.
Er stellte seine Tasche mit den wenigen zerfetzten Kleidern auf den Boden. Im Kamin im Salon lagen einige Holzscheite, die darauf warteten, entfacht zu werden. Damit die Kälte endlich auszog. Nie wieder Kälte, nie wieder Enge, nie wieder Ungemütlichkeit, das hatte er sich bei der Ankunft geschworen. Es klopfte an der Eingangstür. Mit bedachten Schritten verließ er den Salon, folgte dem Flur, rechts an der Bibliothek vorbei, links am Schlafzimmer, an der Küche. Er öffnete die Tür. Dort stand ein Frau, mit Kind im Arm.

Seine Frau, nicht sein Kind.