Ich stehe gerne an meinem Fenster.
Ich lehne mich mit meinen Armen auf das mit alten Ornamenten bestickte Kissen und sehe aus dem Fenster. Man kann so viel entdecken, wenn man nur die Augen aufhält.
Das alte Foto an der Wand zeigt eine Szene in einer Pariser Straße. Es ist vergilbt und ich kenne die Herkunft des Fotos nicht. Von einem Flohmarkt habe ich es damals, ein sehr alter Herr hat es mir gegeben, als er mich mit meiner Praktica über den Flohmarkt schlendern sah.
Es ist erstaunlich, wie viel verschiedene Menschen es gibt. Fast scheint es so, als sei jeder Mensch ein Unikat. Aber das kann nicht sein, denn es gibt so viele falsche Menschen. Menschen, die andere imitieren oder sie kopieren. Doch ginge man nur nach dem Aussehen der Menschen so ist jeder ein
Unikat. Das erstaunt mich. Mir scheint, als gäbe es dafür auch keine wissenschaftliche Erklärung. Wenigstens fällt mir keine ein.
So sehe ich nun jedes mal, wenn ich aus dem Fenster sehe, so viele verschiedene Menschen und erfreue mich an der Vielfalt, die mir da geboten wird.
Alte Menschen, junge Menschen, sie alle laufen an meinem Fenster vorbei, über den Bürgersteig. Ich sehe sie manchmal hetzen, manchmal flanieren und schlendern. Dann sind sie entweder fröhlich, traurig, bedrückt, glücklich, beschwingt, kurz gesagt, ich kann alle Arten von Emotionen in ihnen sehen. Besonders schön ist es dann auch, wenn ich nicht bemerkt werde und sich die Leute nicht beobachtet fühlen. Dann erschrecken sie nicht und ändern blitzschnell ihren Ausdruck. Und mir bleibt ein wenig Zeit, um zu genießen, was ich sehe.
Dies ist die Einleitung zu einer kleinen Serie, in der es um kleine Geschichten des Lebens auf der Straße gehen soll. Als Leser darf man sich hiermit auch dazu aufgerufen fühlen, einmal für ein paar Minuten aus dem Fenster zu sehen und zu beobachten was es dort auf der Straße nicht alles zu sehen und zu entdecken gibt.
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