To jazz, or not to jazz, there is no question! — Louis Armstrong


Blind Pilots

Nach frischem Holz riecht es. Die naturweiße Schlafcouch ist gerade ein paar Wochen alt. Ein junger Erwachsener sitzt lässig auf der Couch, gegenüber eine Kommode, Birkenholz, darauf Kerzen, Teelichter. Eine Kunstblume, rote Gerbera, steckt in einer Flasche eines Kultkolagetränks. Links der Fernseher, im Stand-by Modus, rechts die Teelichter und einige Überreste, abgebrannte Streichhölzer, Streichholzschachteln und einige Teelichtblechhüllen. Über der Kommode ein Brett, an die Wand geschlagen, ebenfalls mit Kerzen, Teelichtern darauf. Und eine Holzpuppe, aufgespießt auf einen Metallstab, mit Gelenken und Federn für die Beweglichkeit.
Der Junge hat einen Laptop auf dem Schoß. Weiß mit Apfellogo. Im Hintergrund läuft The Cooper Temple Clause, Blind Pilots. Die Musik inspiriert. Vor der Couch steht eine große Flasche Bier. Halbleer oder halbvoll. Betrachtungsweise. Weise.
Es hat nichts mit Weisheit zu tun. Er fühlt sich betrunken, vom Bier, und von dem Gefühl. Ein großer Mix, ein Cocktail aus unterschiedlichen Eindrücken. Der Musik. Einsamkeit, Freiheit, Macht.
This Movie would’ve kil led us.
Ein Geühl von Stärke, Geschwindigkeit, Unendlichkeit, Unsterblichkeit.
Das gelbbeige Licht mischt sich perfekt mit dem Kerzenschein. Ein neues
Lied beginnt.
Into my Arms. Bedrückte Stimmung. Der Rausch verfliegt und weicht dem Dahinsiechen. Schwimmen mit der Melodie, dem Rhythmus, Geschwindigkeit. Wieder einen Schluck aus der Flasche, zur Betäubung, zur Beruhigung.
Dann Chaos. Elektronisches musikalisches Chaos. Der Puls erhöht sich, Ziehen in der Luftröhre. Es brennt. Der Rausch kommt wieder, kurzzeitig. Mitreißend, eine Achterbahnfahrt, berauschend.
So won’t you come back now into my arms.
Ein Buch liegt neben dem Erwachsenen. Kaum bekannter Autor mit philosophischem Titel. Kurze Pausen zur Ordnung der Gedanken. Schutz vor Verwirrungen. Neuordnung, sich selber sammeln und neu ausrichten. Für einen weiteren Schlag, gegen die Alltäglichkeit, gegen den Trott, gegen das
Normale, die Norm. Noch ein Schluck Bier, weniger als die Hälfte, noch ein paar Reserven, aber das Ende im Auge und in Sicht.
All my little somethings just ran out of luck.
Ein Krachen. Der Junge Erwachsene wehrt sich gegen den Zwang, den tägliche Begleiter. Ein ewiger Kampf der nun gewonnen scheint, mit vielen Proben und viel Kraft. Synthetische Klänge untermalen den Augenblick, den Sieg. Ein letztes Mal der Schluck, die Flasche ist fast leer.
Ein Aufschrei, Siegesgebrüll. Wieder der Mix, der Cocktail der Gefühle, Überlegenheit, Kraft, Trance, Musik. Er nimmt die Flasche, trinkt den letzten Schluck. Dröhnen, Summen, Fiepen.
Remember the time I couldn’t speak.

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