Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern ein schönes und entspanntes Weihnachtsfest.
Archive fü Dezember, 2008
Winterwunderland
20. Dezember 2008 von MichaelDas winterliche Paris war kein Ort, an dem man sich zu dieser Zeit, freiwillig noch hätte herumtreiben wollen. Dennoch gab es einige arme Menschen, die kein warmes Heim hatten, keine Kleider, die sie warm hielten, geschweige denn eine warme Tasse Kakao. Diese armen Menschen kauerten in Hauseingängen, unter Brücken oder in der weihnachtlich geschmückten Bahnhofshalle.
Antoine saß eingewickelt in seine Decke auf dem kalten Bahnhofsboden. Der Boden war so glatt und sauber, dass er sich darin spiegeln konnte. Aber Antoine mochte sich nicht ansehen, denn in seinem Spiegelbild war keine Spur von Weihnachten zu erkennen.
Vor langer Zeit, so kam es ihm zumindest vor, hatte der Krieg Antoine von seiner Familie getrennt. Als Veteran war er eingezogen worden um sein Land zu verteidigen.
Ihm blieb keine Zeit, sich zu verabschieden, denn er war von einem Offizier früh morgens einfach mitgenommen worden. Nach ein paar Wochen geriet er in Gefangenschaft und nur seine Hoffnung, einmal zu seiner Familie zurück zu kehren, hielt ihn lebendig. Im ersten Jahr schrieb Antoine jede Woche einen Brief nach Hause. Nie erhielt er eine Antwort. Er wusste nicht, ob seine Briefe jemals ankamen, denn er musste sie immer aus seinem Gefangenenlager schmuggeln. Nach zwei Jahren dann schrieb er nur noch zu den Geburtstagen, seine Hoffnung, jemals eine Antwort zu bekommen, hatte Antoine praktisch verloren.
Vier lange Jahre kehrte er dann nicht nach Hause, hatte keinen Kontakt und sorgte sich um Frau und Kinder.
Antoine nach Paris zurückkehrte waren seine Frau und Kinder weg. Einfach verschwunden, keine Nachricht, kein Brief. Antoine wusste nicht wohin seine Familie verschwunden war. Er wusste auch nicht ob sie überhaupt noch lebten, ob sie verschleppt worden waren oder ob seine Frau einen neuen Mann gefunden hatte. Zu Tode betrübt irrte Antoine durch Paris auf der Suche nach seiner Familie. Unermüdlich suchte er die Stadt ab, doch er konnte sie einfach nicht ï¬nden.
Und so strandete Antoine irgendwann in der großen Bahnhofshalle. Völlig perspektivlos, hoffnungslos, leblos.
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Ohne Titel 6
9. Dezember 2008 von MichaelJeden Tag fährt er mit dem Bus an der Universität vorbei. Der Mann in der Blüte seiner Jahre saß üblicherweise am Fenster in seinem braunen Cordjackett. Während der Fahrt sah er aus dem Fenster und beobachtet das Treiben auf und um die Straßen.
Jeden Tag, kurz hinter der Universität, fährt er an dem Friedhof vorbei. Aus dem Fenster sah er durch den Friedhofszaun und durch die blattlosen Büsche einen schwarzen marmorierten Grabstein. Den Grabstein der Frau Tetor.
Ihm war ganz und gar nicht bewusst, wer diese Frau Tetor war. Er kannte keinen Vornamen, keinen Geburtsnamen, nur ihren Familiennamen. Auch das war nicht sicher, war Tetor überhaupt der Name ihrer Familie? Hatte sie eine Familie? Er wusste nichts über die Unbekannte.
Ob er etwas über die Frau Tetor herausfinden konnte? Wenn gleich ihn so viele Fragen beschäftigten, der Bus fuhr einfach weiter und riss ihn aus den Gedanken.
Die Menschen auf den Straßen haben sich in ihre Zwiebelhäute aus Stoff gehüllt um der Kälte zu entkommen. Andere sind gar nicht erst nach draußen gekommen und daheim in ihren warmen Wohnungen geblieben. Dort trinken sie dann heißen Kakao und lesen gemütlich ein Buch.
Er hatte ein bisschen Mitleid mit den frierenden Menschen, denn er saß in dem beheizten Bus und musste nicht frieren. Sein Mitleid verpuffte allerdings schlagartig, wenn er aus dem Bus stieg um von der Haltestelle nach Hause zu gehen. Seine Füße schmerzten vor Kälte dank des eisigen Schnees unter seinen Schuhen.
Als er schließlich mit taubgefrorenen Füßen zu Hause ankam, ließ er sich nur noch in den Sessel im warmen Wohnzimmer fallen. Der Schnee und das Eis draußen schienen ihm seine Kraft geraubt zu haben. Um sich zu entspannen und neue Kräfte zu sammeln, schlug er die Zeitung des Tages auf und blätterte ein wenig in ihr.
Nichts Interessantes, nur das selbe jeden Tag. Auf der vorletzten Seite standen die Todesanzeigen, die er sonst nie beachtete. Und auch heute wollte er sie nicht beachten, doch ihm fiel eine Anzeige beim Umblättern ins Auge. Die Todesanzeige von Anneliese Tetor. Geboren am 17.3., gestorben am
10.3., nur eine Woche vor ihrem Geburtstag. Für einen kurzen Augenblick stieg Trauer in ihm empor. Es machte ihn traurig, dass die arme Frau Tetor nicht noch einmal ihren Geburtstag feiern konnte.
Wieder fiel ihm auf, dass er eigentlich nichts über die Unbekannte Frau wusste. Ob sie ihren Geburtstag überhaupt mit irgendjemandem hätte feiern wollen oder können? Wieder beschäftigten ihn Fragen und er konnte keine Antwort auf sie finden. Es frustrierte ihn. Zu gerne hätte er diese unbekannte Frau Tetor kennen gelernt. Sie hätten beide zusammen Kaffee trinken, Kuchen essen und sich unterhalten und kennenlernen können. Er spürte, wie er wütend wurde. Auf niemanden speziell, einfach nur blinde Wut erfasste ihn, weil er so vieles nicht mehr mit Anneliese Tetor erleben konnte.
Ein paar Tage später, am 17.3., stieg der Mann in der Blüte seiner Jahre in den Bus, fuhr bis zum Friedhof und legte einen Strauß Blumen auf das Grab der Anneliese Tetor, gestorben am 17.3.
Straßenleben #2
9. Dezember 2008 von MichaelManchmal, da beobachte ich die herbstlich gefärbten Blätter beim Herunterfallen. Ich bin sehr angetan davon, wie leise, langsam und sanft die Blätter zu Boden sinken. Ich genieße es, dies mit anzusehen. Die Menschen gehen gerne im Herbst spazieren. Oft kann ich von meinem Fenster aus beobachten, wie Kinder durch das bunte Laub tollen und ein paar Meter dahinter die Mutter und der Vater, Arm in Arm, hinterher schlendern. Es steht diesen Menschen ins Gesicht geschrieben, wie sehr sie dies genießen.
Mir ist aufgefallen, dass der Herbst die einzige Jahreszeit zu sein scheint, in der Menschen besonders gerne spazieren gehen. Wahrscheinlich liegt das an dem bunten Laub, dass überall herumliegt und langsam auf den Winter einstimmt. Dann wird es auch langsam kühler und man muss sich dick ein-
packen, wenn man nach draußen will. Aber man kann sich dann auch um so mehr auf ein heißes Getränk in der warmen Wohnung freuen.
Ich mag den Herbst. Nicht nur wegen des bunten Laubs, sondern auch wegen der Stimmung, die er verbreitet. Die Hektik scheint allmählich zu verfliegen und die großen Anstrengungen des Sommers werden langsam vergessen. Alles wird langsamer, die Blätter die von den Bäumen segeln, das Wochenende, weil man nicht mehr zum See oder an den Strand hetzen muss, um den besten Platz zu ergattern. Stattdessen kann man gemütlich mit der Familie oder aber auch alleine einfach nur raus gehen, spazieren.
Der Herbst ist naturtreuer als der Sommer, er ist schöner und gemütlicher.
Meine liebste Jahreszeit ist der Herbst.
Calling the Birds
5. Dezember 2008 von MichaelImmer schneller laufen. Die Sonne steht in ihrem Zenit, der Himmel erstrahlt im tiefsten Blau.
Angetrieben von der Lust, von der guten Laune, von der Lebenslust, geht es immer weiter gerade aus. Die frische Luft reinigt die Lunge und sorgt für immer neue Energie.
Wie Trommelschläge, immer im Takt, stoßen die Füße, abwechselnd den Boden hinfort um wieder ein Stück weiter zu kommen.
Das Ziel ist noch unbekannt, doch die Neugierde treibt voran. Liefert die Wegbeschreibung, die Route, den Weg.
Ein Blick gen Himmel verrät, der Weg ist das Ziel, der Weg ist die Richtung und die Richtung ist die Richtige.
Eine Art Euphorie steigt empor und beflügelt die Bewegung. Alles läuft auf einen Höhepunkt hinaus. Das Ende ist nahe.
Am Ende steht man an einem Abgrund, sieht die Ferne, wie alles strahlt und leuchtet. Das Bild ist fantastisch, der Lohn für alles, erhaben.
Am Ende ist es nur ein Schritt in den Abgrund.
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