Ich möchte hier ein kleines Experiment veranstalten. Es geht darum, wie verschiedene Menschen sich bestimmte Situationen, Gegenstände und Ähnliches vorstellen, die sie in einer Geschichte oder einem Text lesen. Darum bitte ich jeden, der diesen kurzen Text liest, in den Kommentaren seine Vorstellung zu schildern. Damit das “Ergebnis” nicht verfälscht bzw. Kommentare nicht durch andere beeinflusst werden, bleiben Kommentare erst einmal verborgen. Ich bin nun aber sehr gespannt auf das Ergebnis.
Ein Mann spaziert durch eine Straße. Es ist Frühling, die Sonne erwärmt die Luft durch die er spaziert. Menschen begegnen ihm, sie huschen schnell vorbei. Viele sind so schnell, dass er nicht einmal ihr Gesicht erkennen kann. Nur ihre Statur. Manche sind spindeldürr, manche wulstig-fett. Die Dicken schwitzen und ziehen eine Fahne aus stickiger feuchter Luft hinter sich her. Was die Übergewichtigen an schlechter Luft selbst produzieren, sprühen sich die Hageren mit stinkendem Parfum selbst auf die Haut. Er kann sich nicht entscheiden, was davon das schlimmere Übel ist. Der Frühling stinkt.
Als kleine Hilfe könnten folgende Fragen dienen: Wie sieht der Mann aus? Wie sieht die Straße, seine Umgebung aus? Was riecht er und wie sehen die Menschen aus, die an ihm vorbei huschen? Vorab schon einmal vielen Dank für die Kommentare.
Drucken | Tags: Experiment, Frühling, Geruch, hell, Menschen
Es ist eine Großstadt, Einkaufsmöglichkeiten ringsum, Kleiderläden, Imbissbuden.
Der Mann geht langsam, zumindest langsamer als die anderen. Die anderen nervt das, sie rempeln ihn vielleicht hin und wieder sogar an.
Er ist unscheinbar, unauffällig gekleidet, niemand der anderen wird sich an ihn erinnern.
Vom Frühling der Natur selbst riecht er nichts, er riecht nur, dass alle nun wieder aus ihren “Löchern” gekrochen kommen und nun die Straße entlangrasen, die er im Winter nahezu für sich alleine hatte.
Der Mann ist etwas älter, mit graumeliertem Haar und ein paar Falten im Gesicht. Er hat einen Dreitagebart, der aber nicht ungepflegt wird. Er wirkt nicht gebrechlich.
Die Straße habe ich in meinem Kopf nicht gesehen, schon beim Wort “spazieren” sah ich ihn durch einen Park gehen. Es ist also vielmehr ein Weg. Rund um den Park könnte Stadt sein. Der Park ist, wie eben im Frühling, noch ziemlich braun, aber schon ein kleines bisschen grün mit bunten Tupfen von den ersten Blumen.
Die Leute, denen er begegnet, haben kein Gesicht, insofern ist der Text sehr gut in meinem Kopf gelandet. Sie sind eine bunte Masse aus Menschen verschiedensten Umfangs. Die Dünnen wie die Dicken wirken gleichermaßen unattraktiv. Ich habe das Gefühl, dass der Mann sie nicht mag.
Gerüche vermag ich mir nicht vorzustellen, beziehungsweise sie sind einfach nicht in meinem Kopf. Vielleicht, weil meine Geruchssinn in Wirklichkeit nicht besonders ausgeprägt ist und meine Welt meistens eher duftlos ist.
Aber es gibt Geräusche. Vogelzwitschern, Motorenrauschen. Vielleicht ertönt eine Hupe oder eine Sirene. Aber der Stadtlärm tönt nur leise zum Mann, er hört eher das Gemurmel der Passanten, die zu mehrt unterwegs sind und sich unterhalten.
Das war jetzt nicht viel, aber doch das, was mir einfiel. :)
Der Mann ist mitten in einer Großstadt, zwischen Häuserfronten, wo sich Sonne und Schatten abwechseln. Er ist ein durchschnittlicher ca. 1,80m größer, mittelschlanker, sportliche Typ….er richt neutral :-), also fast frisch geduscht und ohne Parfüm, aber mit Deo :-D
Irgendwie ist das Ganze eine ziemlich absurde Situation. Spazieren und Hektik passen nicht zusammen. Er will einfach nur den Frühling genießen und, wie in Frankfurt auf der Zeil, ein riesiges gedrängle und geschubse und er als Ruhepool dazwischen. Ich sehe nur graue Menschen um ihn herum – er ist der einzigst Bunte in der Stadt. Der Einzigste, der den Frühling erkannt hat – so riecht er auch – nähmlich Frühlingshaft. Die grauen Fetten haben es noch nicht gerafft und sind auf der Suche nach Frühling und stinken vor Anstrengung. Die grauen Dürren haben so lange gesucht, aber anscheinend den Frühlung nicht gefunden – sie waren auch mal Fett – jetzt sind sie vom Suchen dürr geworden. Sie helfen sich nur noch damit, dass sich sich mit Düften betäuben (und andere mit) um wenigsten einen billigen Abklatsch von Frühling zu haben….der Frühling ist in einem selbst – dort muss man suchen…ER hat ihn gefunden – auch wenn er stinkt, der Frühling.
PS:
Ich hoffe, dass war so in Deinem Sinne…
Grüße
Dirk
was du da beschreibst, ist seit ostern die realität in ottensen, nur die hektik kommt zu kurz. und das stinken der parfümierten sowieso. der mann ist also mittelgross, geringfügig untersetzt und trägt eine cargohose, ein grünes armeehemd und tshirt und noch immer seine winterstiefel. er trägt einen seesack über der schulter, in einer hand eine flasche wasser. die strassen sind voller fliederfarbener und weisser blütenblätter sowie dem üblichen, saisonunabhängigen müll. er riecht die ersten mülltonnen, die blumenläden, verschiedene eitle kaffeekreationen, er riecht sogar alte bücher vor einem komplett verschlossenen antiken buchladen. die menschen sehen völlig anders aus als noch in der letzten woche, als es kalt war. die meisten bestehen plötzlich nur noch aus decollete, das mag aber auch am beobachter und der sonne liegen. einige wenige tragen noch winterjacken. aber ein alter araber mit beinen, die eine lange krankheitsgeschichte erzählen, wirkt an diesem tag so viel lebhafter als zuvor.