Das Spiegelbild der Bäume der anderen Seite verschmolz mit den Bäumen auf seiner Seite. Dieser Anblick verleitete ihn zum träumen.
Er legte seinen Kopf nach hinten und lehnte sich gleichzeitig mit ihm an die Fensterscheibe des Zuges. Er sah diese Bäume, die von der einen und die
von der anderen Seite, die zusammen in einem großen gesamten Kunstwerk, verschmolzen.
Die Zeit stand still und doch raste er mit einer unheimlichen Geschwindigkeit durch die Landschaft, vorbei an diesen Kunstwerken. Er genoß es. Als ob er mitten in einem riesigen, sich ständig wandelnden Kunstwerk befand.
Mit jedem Augenschlag aber endete eines dieser Kunstwerke und ein Neues begann sich vor ihm abzuspielen.
Ihm wurde klar, dass sich vor ihm das Leben abspielte. Jedes dieser Kunstwerke war ein Lebensabschnitt. Und er befand sich mitten in einem dieser Abschnitte.
Er fühlte sich zeitlos.
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Ohne Titel 4
5. September 2008 von MichaelOhne Titel 3
3. September 2008 von MichaelKalt war es an diesem Tag nicht. Die Sonne schien kräftig vom hellblauen Himmel und wurde nur selten von ein paar Schleierwolken verdeckt. Ein leichter Westwind bewegte die von der Sonne erhitzte Luft gen Osten, vom Meer auf das Land und wieder auf das Meer. Mit ihr trieben auch die leichten Schleierwolken leise vom Meer über das Land wieder auf das Meer. Die trockenen Grashalme, zwischen den kräftig aufblühenden Heidepflanzen, wogen sich im Wind.
Der Boden war trocken und ausgelaugt. Der Wind hatte mit seiner Erosion die Nährstoffe aufgesaugt und sie über dem Meer wieder abgelassen. Schon lange war kein Regen mehr auf diesen öden Fleck Erde gefallen. Dennoch wuchsen in diesem Gebiet mit diesen widrigen Lebensbedingungen einige kleine Fichten.
Es würde nicht lange dauern, möglicherweise fünfzehn bis zwanzig Jahre, dann wird diesem Flecken Erde nicht mehr anzusehen sein, was passiert ist.
Vergangenes Leben wird durch Neues ersetz.
Ohne Titel 2
1. September 2008 von MichaelDiese Erfrischung kam ihm wie gerufen. Der frische Luftzug den der Ventilator ihm in sein Gesicht und um die Haare blies, brachte die dringend notwendige Erfrischung, nach der er sich schon, so kam es ihm zumindest vor, seit Stunden sehnte.
Er schloß die Augen und ließ die Welt, sich, für einen Moment, nicht mehr weiter drehen. Langsam hob er das Gesicht und sah mit geschlossenen Augen
direkt in die Sonne. Den Wind im Gesicht stellte er sich vor, wie er irgendwo am Meer stehen würde. Vor diesem azurblauen Ozean an einer Klippe aus blendend weißen Kreidefelsen. Das steppenartige Gras auf dem Felsen wog sich im Wind vom Meer. Er hörte das Meer rauschen, die rauschende Stille
des Meeres.
Doch schon bald setze sich die Welt wieder in Bewegung. Jäh wurde er aus
seinem Tagtraum gerissen, denn seine Mutter klopfte an der Tür. Staubsaugen wollte sie in seinem Zimmer. Die rauschende Stille. Er blickte aus dem Fenster, hinüber auf die kahlen Betonwände der Plattenbauten von Berlin Marzahn, und öffnete die Tür. Rauschende Stille.
Ohne Titel 1
31. August 2008 von MichaelUnbeschreiblich war der Anblick, der sich ihnen bot. Die Sonne berührte schon den Horizont und es schien, als würde sie das Meer langsam aber sicher in Brand setzen.
Genüsslich zog er die Luft ein, die ihn umgab. Sie schmeckte salzig, so wie Meeresluft eben schmeckt. Aber er dachte daran, ob es vielleicht auch an ihr, an dem Mädchen liegen könnte. Das Mädchen, welches ihn gerade geküsst hatte. Der Kuss schmeckte auch salzig, das wusste er noch. Ansonsten aber konnte er sich an nichts mehr erinnern. Viel zu unbeschreiblich war dieser Augenblick gewesen, als ihre Lippen zu verschmelzen schienen.
Er sank in den Sand der Düne, das Dünengrass kitzelte ihm den Nacken. Das Mädchen sank ebenfalls in die Düne und deshalb zwangsläuï¬g in seine Arme. Sie schloßen beide ihre Augen und genoßen die letzen Sekunden ihres Lebens, mit Sicherheit die schönsten ihres gesamten Lebens.