Die meisten Schriftsteller verstehen von Literatur nicht mehr als Vögel von Ornithologie. — Marcel Reich-Ranicki


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Straßenleben #2

9. Dezember 2008 von Michael

Manchmal, da beobachte ich die herbstlich gefärbten Blätter beim Herunterfallen. Ich bin sehr angetan davon, wie leise, langsam und sanft die Blätter zu Boden sinken. Ich genieße es, dies mit anzusehen. Die Menschen gehen gerne im Herbst spazieren. Oft kann ich von meinem Fenster aus beobachten, wie Kinder durch das bunte Laub tollen und ein paar Meter dahinter die Mutter und der Vater, Arm in Arm, hinterher schlendern. Es steht diesen Menschen ins Gesicht geschrieben, wie sehr sie dies genießen.
Mir ist aufgefallen, dass der Herbst die einzige Jahreszeit zu sein scheint, in der Menschen besonders gerne spazieren gehen. Wahrscheinlich liegt das an dem bunten Laub, dass überall herumliegt und langsam auf den Winter einstimmt. Dann wird es auch langsam kühler und man muss sich dick einpacken, wenn man nach draußen will. Aber man kann sich dann auch um so mehr auf ein heißes Getränk in der warmen Wohnung freuen.
Ich mag den Herbst. Nicht nur wegen des bunten Laubs, sondern auch wegen der Stimmung, die er verbreitet. Die Hektik scheint allmählich zu verfliegen und die großen Anstrengungen des Sommers werden langsam vergessen. Alles wird langsamer, die Blätter die von den Bäumen segeln, das Wochenende, weil man nicht mehr zum See oder an den Strand hetzen muss, um den besten Platz zu ergattern. Stattdessen kann man gemütlich mit der Familie oder aber auch alleine einfach nur raus gehen, spazieren.
Der Herbst ist naturtreuer als der Sommer, er ist schöner und gemütlicher.
Meine liebste Jahreszeit ist der Herbst.

Straßenleben Einführung

26. September 2008 von Michael

Ich stehe gerne an meinem Fenster.
Ich lehne mich mit meinen Armen auf das mit alten Ornamenten bestickte Kissen und sehe aus dem Fenster. Man kann so viel entdecken, wenn man nur die Augen aufhält.
Das alte Foto an der Wand zeigt eine Szene in einer Pariser Straße. Es ist vergilbt und ich kenne die Herkunft des Fotos nicht. Von einem Flohmarkt habe ich es damals, ein sehr alter Herr hat es mir gegeben, als er mich mit meiner Praktica über den Flohmarkt schlendern sah.

Es ist erstaunlich, wie viel verschiedene Menschen es gibt. Fast scheint es so, als sei jeder Mensch ein Unikat. Aber das kann nicht sein, denn es gibt so viele falsche Menschen. Menschen, die andere imitieren oder sie kopieren. Doch ginge man nur nach dem Aussehen der Menschen so ist jeder ein
Unikat. Das erstaunt mich. Mir scheint, als gäbe es dafür auch keine wissenschaftliche Erklärung. Wenigstens fällt mir keine ein.
So sehe ich nun jedes mal, wenn ich aus dem Fenster sehe, so viele verschiedene Menschen und erfreue mich an der Vielfalt, die mir da geboten wird.

Alte Menschen, junge Menschen, sie alle laufen an meinem Fenster vorbei, über den Bürgersteig. Ich sehe sie manchmal hetzen, manchmal flanieren und schlendern. Dann sind sie entweder fröhlich, traurig, bedrückt, glücklich, beschwingt, kurz gesagt, ich kann alle Arten von Emotionen in ihnen sehen. Besonders schön ist es dann auch, wenn ich nicht bemerkt werde und sich die Leute nicht beobachtet fühlen. Dann erschrecken sie nicht und ändern blitzschnell ihren Ausdruck. Und mir bleibt ein wenig Zeit, um zu genießen, was ich sehe.
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