Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit. — Friedrich Schiller


Geschichten getaggt mit ‘Gefühl’

Wiederkehr

8. November 2009 von Michael

Ich war gestern bei einem Fotografen. Für einen neuen Personalausweis brauchte ich Passbilder, die ich beim Fotografen machen lassen wollte. Also bin ich gestern Morgen in die Stadt gegangen und habe mich auf die Suche nach einem Fotografen begeben. In einer Straße, kurz vor dem großen Platz bin ich dann auch fündig geworden. In dem recht düsteren Schaufenster standen akkurat eingerahmte Portraits verschiedenster Menschen aufgereiht. Der Raum hinter dem Schaufenster, der Verkaufsraum sozusagen, bot ein ähnliches Bild. Nur wurden hier die unzähligen eingerahmten Bilder von diversen Stromsparlampen angestrahlt. Als Verkaufstresen diente eine alte Holzvitrine mit oben aufliegender Glasplatte. Ihrer Anmutung nach stammte sie aus den späten 60er oder frühen 70er Jahren. Vielleicht stand sie vorher bei einem Juwelier. Auf der Vitrine stand neben einer alten, historischen Papierschneidemaschine von Agfa eine alte Registrierkasse. Keine alte stählerne, sondern eine futuristisch Anmutende mit grüner Plastikverkleidung.

Ich stand nun also in diesem Laden, dessen Inneres schon verriet, dass hier ein alter und deshalb auch erfahrener Fotograf arbeitete. Nachdem ich dem zeitungslesenden Mann mein Anliegen geschildert hatte, führte er mich in das Studio. Das Studio war spärlich ausgestattet, eine Kamera samt Stativ, eine Leuchte für den Hintergrund und ein großer Blitz samt Softbox standen um einen weißen Klappstuhl herum. In der rechten Raumecke neben der Tür stand zudem noch ein Regal mit einigen fotografischen Utensilien, sowie ein modernerer Fotodrucker.

Ich sollte dann Platz nehmen auf dem Klappstuhl, der trotz seiner Einfachheit einen weichen Sitzbezug hatte. Mit klaren Anweisungen zur Haltung, Blickrichtung und Mimik brachte der Fotograf zügig drei sehr ansehnliche Portraitfotos von mir  auf die Speicherkarte seiner Kamera. Ich konnte mir von den Dreien eines aussuchen, dass ich dann in vierfacher Ausführung als Passfoto nach kurzer Zeit in Empfang nehmen konnte. Bevor er mir die Bilder aushändigte musste er sie jedoch erst noch zerschneiden, da der Fotodrucker die vier identischen Bilder auf einem Blatt ausgedruckt hatte. Mit schnellen und ebenso präzisen Schnitten zerteilte der Mann das Blatt in vier Teile und entfernte sorgfältig alles überschüssige Material.

Diese Präzision und diese Schnelligkeit stellten das Können und das Wissen über das Handwerk des Fotografen zweifelsfrei unter Beweis. Beeindruckt davon und berührt von der Atmosphäre in diesem kleinen Geschäft kam in mir ein Gefühl zurück, dass ich schon lange vermisst und aufgegeben hatte. Seit diesem gestrigen Tag spüre ich wieder das Verlangen, eine Kamera in der Hand zu halten und die Welt mit dem Blick durch den Sucher eben jener festzuhalten.

Melancholie des Herbst

26. Oktober 2009 von Michael

Tristess im Regen
Kälte auf der Haut
Wind im Gesicht

Wärme im Raum, Heizungsgeruch liegt in der Luft. Warmes gelbes Kerzenlicht legt sich wie ein Film über alles. Die Atmosphäre ist gemütlich, draußen unmenschlich.
Ein grauer Schleier umspannt das Draußen, macht es kalt, nass, ungemütlich, -unmenschlich.
Regentropfen klopfen an der Scheibe, bitten um Einlass. Doch es hindert sie eine Grenze, gemauert aus Ziegelsteinen. Durch Fenster aus Glas und Holz bittet man sie herein, sollen sie verbreiten eine Atmosphäre, die kalt ist, und nass und unmenschlich.

go

4. Oktober 2009 von Michael

i  almost never say

go home

but yesterday,

i could feel her soft worry

- no she said

Das Fenster in den Himmel

20. März 2009 von Michael

Der große Platz, vor dem Theater, mitten in der Stadt, ist das Fenster in den Himmel. Es ist der Freiraum in der Bedrängnis der Stadt. Die Sauerstoffblase in dem Meer aus Menschen und schlechter Luft. Der Puffer zwischen den Reibeisen der Zeit.

Frühlingsrausch

14. März 2009 von Michael

Herbstlaub liegt im Busch. Ihm fällt diese Sonderheit erst jetzt auf, als er durch die Straße vor dem großen Wohnhaus schlendert. Eigentlich, so fühlt es sich für ihn an, ist jetzt Frühling. 

Die Luft die ihn umgab roch nach frischen Blüten, den jungen Blättern an den Bäumen und nach der Erde, die von der stärker werdenden Sonne erwärmt wurde. Genüsslich zog er sie durch seine Nase und inhalierte sie. Die Luft war ihm fast schon zu schade zum ausatmen. Doch der Wunsch nach dem erneuten Genuss der frischen warmen Luft ließ ihn die Luft doch noch wieder preisgeben. 

Die Sonne hüllte ihn in ein wohlig warmes Gefühl von Geborgenheit. Je länger er durch die Straße ging, desto wohler fühlte er sich. Nur als ein frischer Windzug durch sein langes Haar wehte, fröstelte es ihn. Ein kalter Schauer lief ihm an den Armen entlang. Gänsehaut überzog seine Arme und seine Beine.

Dem kalten Windzug folgte die Verdunkelung der Sonne durch vorbeiziehende Wolken. Hohe tiefweiße Cumuluswolken schoben sich zwischen ihn und die Sonne. Ein frischer kalter Wind zog durch die Straße und wirbelte einige vertrocknete Herbstblätter durch die Luft. Er fühlte sich wieder an den gerade erst vergangenen Winter erinnert. Schlagartig schien die Temperatur abzunehmen und ihm wurde kalt. Seine Stimmung schwankte und drohte sich in Trauer zu verwandeln.

Doch just in diesem Augenblick verzog sich die Wolke und gab den Weg zwischen ihm und der Sonne wieder frei. Es war wieder Frühling