To jazz, or not to jazz, there is no question! — Louis Armstrong


Geschichten getaggt mit »Gefühl«

go

4. Oktober 2009 von Michael

i almost never say

go home

but yesterday,

i could feel her soft worry

- no she said

Das Fenster in den Himmel

20. März 2009 von Michael

Der große Platz, vor dem Theater, mitten in der Stadt, ist das Fenster in den Himmel. Es ist der Freiraum in der Bedrängnis der Stadt. Die Sauerstoffblase in dem Meer aus Menschen und schlechter Luft. Der Puffer zwischen den Reibeisen der Zeit.

Frühlingsrausch

14. März 2009 von Michael

Herbstlaub liegt im Busch. Ihm fällt diese Sonderheit erst jetzt auf, als er durch die Straße vor dem großen Wohnhaus schlendert. Eigentlich, so fühlt es sich für ihn an, ist jetzt Frühling.

Die Luft die ihn umgab roch nach frischen Blüten, den jungen Blättern an den Bäumen und nach der Erde, die von der stärker werdenden Sonne erwärmt wurde. Genüsslich zog er sie durch seine Nase und inhalierte sie. Die Luft war ihm fast schon zu schade zum ausatmen. Doch der Wunsch nach dem erneuten Genuss der frischen warmen Luft ließ ihn die Luft doch noch wieder preisgeben.

Die Sonne hüllte ihn in ein wohlig warmes Gefühl von Geborgenheit. Je länger er durch die Straße ging, desto wohler fühlte er sich. Nur als ein frischer Windzug durch sein langes Haar wehte, fröstelte es ihn. Ein kalter Schauer lief ihm an den Armen entlang. Gänsehaut überzog seine Arme und seine Beine.

Dem kalten Windzug folgte die Verdunkelung der Sonne durch vorbeiziehende Wolken. Hohe tiefweiße Cumuluswolken schoben sich zwischen ihn und die Sonne. Ein frischer kalter Wind zog durch die Straße und wirbelte einige vertrocknete Herbstblätter durch die Luft. Er fühlte sich wieder an den gerade erst vergangenen Winter erinnert. Schlagartig schien die Temperatur abzunehmen und ihm wurde kalt. Seine Stimmung schwankte und drohte sich in Trauer zu verwandeln.

Doch just in diesem Augenblick verzog sich die Wolke und gab den Weg zwischen ihm und der Sonne wieder frei. Es war wieder Frühling

Calling the Birds

5. Dezember 2008 von Michael

Immer schneller laufen. Die Sonne steht in ihrem Zenit, der Himmel erstrahlt im tiefsten Blau. Angetrieben von der Lust, von der guten Laune, von der Lebenslust, geht es immer weiter gerade aus. Die frische Luft reinigt die Lunge und sorgt für immer neue Energie. Wie Trommelschläge, immer im Takt, stoßen die Füße, abwechselnd den Boden hinfort um wieder ein Stück weiter zu kommen.
Das Ziel ist noch unbekannt, doch die Neugierde treibt voran. Liefert die Wegbeschreibung, die Route, den Weg. Ein Blick gen Himmel verrät, der Weg ist das Ziel, der Weg ist die Richtung und die Richtung ist die Richtige. Eine Art Euphorie steigt empor und beflügelt die Bewegung. Alles läuft auf einen Höhepunkt hinaus. Das Ende ist nahe.
Am Ende steht man an einem Abgrund, sieht die Ferne, wie alles strahlt und leuchtet. Das Bild ist fantastisch, der Lohn für alles, erhaben.
Am Ende ist es nur ein Schritt in den Abgrund.
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Blind Pilots

19. Oktober 2008 von Michael

Nach frischem Holz riecht es. Die naturweiße Schlafcouch ist gerade ein paar Wochen alt. Ein junger Erwachsener sitzt lässig auf der Couch, gegenüber eine Kommode, Birkenholz, darauf Kerzen, Teelichter. Eine Kunstblume, rote Gerbera, steckt in einer Flasche eines Kultkolagetränks. Links der Fernseher, im Stand-by Modus, rechts die Teelichter und einige Überreste, abgebrannte Streichhölzer, Streichholzschachteln und einige Teelichtblechhüllen. Über der Kommode ein Brett, an die Wand geschlagen, ebenfalls mit Kerzen, Teelichtern darauf. Und eine Holzpuppe, aufgespießt auf einen Metallstab, mit Gelenken und Federn für die Beweglichkeit.
Der Junge hat einen Laptop auf dem Schoß. Weiß mit Apfellogo. Im Hintergrund läuft The Cooper Temple Clause, Blind Pilots. Die Musik inspiriert. Vor der Couch steht eine große Flasche Bier. Halbleer oder halbvoll. Betrachtungsweise. Weise.
Es hat nichts mit Weisheit zu tun. Er fühlt sich betrunken, vom Bier, und von dem Gefühl. Ein großer Mix, ein Cocktail aus unterschiedlichen Eindrücken. Der Musik. Einsamkeit, Freiheit, Macht.
This Movie would’ve kil led us.
Ein Geühl von Stärke, Geschwindigkeit, Unendlichkeit, Unsterblichkeit.
Das gelbbeige Licht mischt sich perfekt mit dem Kerzenschein. Ein neues
Lied beginnt.
Into my Arms. Bedrückte Stimmung. Der Rausch verfliegt und weicht dem Dahinsiechen. Schwimmen mit der Melodie, dem Rhythmus, Geschwindigkeit. Wieder einen Schluck aus der Flasche, zur Betäubung, zur Beruhigung.
Dann Chaos. Elektronisches musikalisches Chaos. Der Puls erhöht sich, Ziehen in der Luftröhre. Es brennt. Der Rausch kommt wieder, kurzzeitig. Mitreißend, eine Achterbahnfahrt, berauschend.
So won’t you come back now into my arms.
Ein Buch liegt neben dem Erwachsenen. Kaum bekannter Autor mit philosophischem Titel. Kurze Pausen zur Ordnung der Gedanken. Schutz vor Verwirrungen. Neuordnung, sich selber sammeln und neu ausrichten. Für einen weiteren Schlag, gegen die Alltäglichkeit, gegen den Trott, gegen das
Normale, die Norm. Noch ein Schluck Bier, weniger als die Hälfte, noch ein paar Reserven, aber das Ende im Auge und in Sicht.
All my little somethings just ran out of luck.
Ein Krachen. Der Junge Erwachsene wehrt sich gegen den Zwang, den tägliche Begleiter. Ein ewiger Kampf der nun gewonnen scheint, mit vielen Proben und viel Kraft. Synthetische Klänge untermalen den Augenblick, den Sieg. Ein letztes Mal der Schluck, die Flasche ist fast leer.
Ein Aufschrei, Siegesgebrüll. Wieder der Mix, der Cocktail der Gefühle, Überlegenheit, Kraft, Trance, Musik. Er nimmt die Flasche, trinkt den letzten Schluck. Dröhnen, Summen, Fiepen.
Remember the time I couldn’t speak.