Denn Kunst ist nichts anderes als Gestaltung mit beliebigem Material. — Kurt Schwitters


Geschichten getaggt mit ‘Menschen’

Hinterhofgemeinschaften

16. April 2009 von Michael

Gemeinschaft, das kann so vieles heißen. Gemeinsamkeit, fast schon Gleichartigkeit der Protagonisten in diesem System der gegenseitigen Verehrung. Wenn eine Zweckgemeinschaft sich zusammen findet, dann nur um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Arbeitsgemeinschaften zum Beispiel erfüllen den Zweck der gemeinsamen Arbeit. Im Grunde sind alle Gemeinschaften nur Zweckgemeinschaften. Nicht aber die Hinterhofgemeinschaft. Sie entsteht aus einem Zwang heraus. Dem Zwang der dem Umstand zu verdanken ist, dass alle Balkone eines Wohnblocks zum Hinterhof ausgerichtet sind. Ein Zwang entsteht, die Protagonisten werden auf dem Hinterhof eingepfercht und aufeinander los gelassen. Da fallen dann Abfälle auf den Balkon des Nachbarn der eine Etage tiefer wohnt. Oder der Grillmief zieht nach oben ab und belastet die Nachbarn in den oberen Stockwerken. Und dann ist da noch die allgegenwärtige Präsenz der Überwachung durch die Protagonisten der Hinterhofgemeinschaft, die, getrieben durch ihre Neugierde, ständig und omnipräsent auf des Nachbarn Balkon gaffen.

So stellt sich nun heraus, dass auch die Hinterhofgemeinschaft eine Zweckgemeinschaft ist. Nämlich eine, die unter dem Zwang der gegenseitigen Gängelung und Belästigung dem Zwecke des bei Laune Haltens seiner Protagonisten dient.

Das Fenster in den Himmel

20. März 2009 von Michael

Der große Platz, vor dem Theater, mitten in der Stadt, ist das Fenster in den Himmel. Es ist der Freiraum in der Bedrängnis der Stadt. Die Sauerstoffblase in dem Meer aus Menschen und schlechter Luft. Der Puffer zwischen den Reibeisen der Zeit.

Experiment: Der Mann in der Stadt

17. März 2009 von Michael

Ich möchte hier ein kleines Experiment veranstalten. Es geht darum, wie verschiedene Menschen sich bestimmte Situationen, Gegenstände und Ähnliches vorstellen, die sie in einer Geschichte oder einem Text lesen. Darum bitte ich jeden, der diesen kurzen Text liest, in den Kommentaren seine Vorstellung zu schildern. Damit das “Ergebnis” nicht verfälscht bzw. Kommentare nicht durch andere beeinflusst werden, bleiben Kommentare erst einmal verborgen. Ich bin nun aber sehr gespannt auf das Ergebnis.

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Straßenleben Einführung

26. September 2008 von Michael

Ich stehe gerne an meinem Fenster.
Ich lehne mich mit meinen Armen auf das mit alten Ornamenten bestickte Kissen und sehe aus dem Fenster. Man kann so viel entdecken, wenn man nur die Augen aufhält.
Das alte Foto an der Wand zeigt eine Szene in einer Pariser Straße. Es ist vergilbt und ich kenne die Herkunft des Fotos nicht. Von einem Flohmarkt habe ich es damals, ein sehr alter Herr hat es mir gegeben, als er mich mit meiner Praktica über den Flohmarkt schlendern sah.

Es ist erstaunlich, wie viel verschiedene Menschen es gibt. Fast scheint es so, als sei jeder Mensch ein Unikat. Aber das kann nicht sein, denn es gibt so viele falsche Menschen. Menschen, die andere imitieren oder sie kopieren. Doch ginge man nur nach dem Aussehen der Menschen so ist jeder ein
Unikat. Das erstaunt mich. Mir scheint, als gäbe es dafür auch keine wissenschaftliche Erklärung. Wenigstens fällt mir keine ein.
So sehe ich nun jedes mal, wenn ich aus dem Fenster sehe, so viele verschiedene Menschen und erfreue mich an der Vielfalt, die mir da geboten wird.

Alte Menschen, junge Menschen, sie alle laufen an meinem Fenster vorbei, über den Bürgersteig. Ich sehe sie manchmal hetzen, manchmal flanieren und schlendern. Dann sind sie entweder fröhlich, traurig, bedrückt, glücklich, beschwingt, kurz gesagt, ich kann alle Arten von Emotionen in ihnen sehen. Besonders schön ist es dann auch, wenn ich nicht bemerkt werde und sich die Leute nicht beobachtet fühlen. Dann erschrecken sie nicht und ändern blitzschnell ihren Ausdruck. Und mir bleibt ein wenig Zeit, um zu genießen, was ich sehe.
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