Literature is the immortality of speech. — August Wilhelm von Schlegel


Geschichten getaggt mit »Paris«

Die Weltstadt Paris und die Bedeutung der Kunst

2. Dezember 2010 von Michael

In diesem Blog geht es normalerweise um das selbst geschaffene Wort, dieses mal jedoch nicht. Ich möchte hier auf einen Artikel aus der ZEIT hinweisen, der für all diejenigen interessant sein dürfte, die sich für Paris und Malerei oder Fotografie interessieren. Unter dem Titel “Wie Paris zur Weltstadt wurde” beschreibt Bernhard Schulz die Bedeutung der Malerei und später auch der Fotografie auf die Sichtweise der sich entwickelnden Stadt Paris.

Im Artikel weist der Autor zudem auf eine aktuell laufende Ausstellung im Museum Folkwang in Essen hin, die eben solche Bilder und Fotografien ausstellt. Die Ausstellung “Bilder einer Metropole – Die Impressionisten in Paris” läuft noch bis zum 30. Januar 2011 im Museum Folkwang.

Paris mon amour

8. März 2010 von Michael

Raues Eisen schürft an den Fingerkuppen, die über das Geländer streifen. Die leichten weißen Schuhe bewegen sich über die Steinplatten, führen die Füße entlang der gotischen Brüstung. Der hellweiße Rock ihres Kleides weht im Wind, umtanzt ihre dünnen Oberschenkel. Das Oberteil schmiegt sich sanft an ihren Körper, der Wind unterstreicht ihre grazile Statur. Die Sonne scheint durch die giftgrünen Baumwipfel, erhellt ihr golden gelocktes Haar. Ihre Sommersprossen leuchten leicht rot, punkten ihr aschfahles Gesicht.

Der große Mann schlurft entlang der Promenade, genießt die ersten Strahlen der Frühlingssonne. Einen tiefen Zug des süßen Frühlingsdufts, auf der Suche nach neuer Kraft . Sein langer Mantel drückt auf seine Brust, schnürt ihm die Luft ab. Das kurze tiefschwarze Haar schimmerte feucht vom Gel, der Schweiß auf seiner Stirn perlte einfach so von seinen Haaren ab. Von der Seite schien ihm die Sonne ins Gesicht, die vielen Grübchen und Narben warfen in seinem Gesicht tiefe Schatten.

Die Taille lastet auf seiner Schulter, die Gebeine baumeln vor ihm. Mit einem sanften Wippen schwingt der Kopf mit den goldenen Haaren im Tackt der schweren Schritte. Die Arme hängen leblos gen Boden. Bis er sie auf die Brüstung setzt, ihre ganze Schönheit ihm ein letztes mal entgegen strahlt.

Als sie im Wasser aufschlägt, dreht er sich um und geht.

Winterwunderland

20. Dezember 2008 von Michael

Das winterliche Paris war kein Ort, an dem man sich zu dieser Zeit, freiwillig noch hätte herumtreiben wollen. Dennoch gab es einige arme Menschen, die kein warmes Heim hatten, keine Kleider, die sie warm hielten, geschweige denn eine warme Tasse Kakao. Diese armen Menschen kauerten in Hauseingängen, unter Brücken oder in der weihnachtlich geschmückten Bahnhofshalle.
Antoine saß eingewickelt in seine Decke auf dem kalten Bahnhofsboden. Der Boden war so glatt und sauber, dass er sich darin spiegeln konnte. Aber Antoine mochte sich nicht ansehen, denn in seinem Spiegelbild war keine Spur von Weihnachten zu erkennen.
Vor langer Zeit, so kam es ihm zumindest vor, hatte der Krieg Antoine von seiner Familie getrennt. Als Veteran war er eingezogen worden um sein Land zu verteidigen.
Ihm blieb keine Zeit, sich zu verabschieden, denn er war von einem Offizier früh morgens einfach mitgenommen worden. Nach ein paar Wochen geriet er in Gefangenschaft und nur seine Hoffnung, einmal zu seiner Familie zurück zu kehren, hielt ihn lebendig. Im ersten Jahr schrieb Antoine jede Woche einen Brief nach Hause. Nie erhielt er eine Antwort. Er wusste nicht, ob seine Briefe jemals ankamen, denn er musste sie immer aus seinem Gefangenenlager schmuggeln. Nach zwei Jahren dann schrieb er nur noch zu den Geburtstagen, seine Hoffnung, jemals eine Antwort zu bekommen, hatte Antoine praktisch verloren.
Vier lange Jahre kehrte er dann nicht nach Hause, hatte keinen Kontakt und sorgte sich um Frau und Kinder.
Antoine nach Paris zurückkehrte waren seine Frau und Kinder weg. Einfach verschwunden, keine Nachricht, kein Brief. Antoine wusste nicht wohin seine Familie verschwunden war. Er wusste auch nicht ob sie überhaupt noch lebten, ob sie verschleppt worden waren oder ob seine Frau einen neuen Mann gefunden hatte. Zu Tode betrübt irrte Antoine durch Paris auf der Suche nach seiner Familie. Unermüdlich suchte er die Stadt ab, doch er konnte sie einfach nicht finden.
Und so strandete Antoine irgendwann in der großen Bahnhofshalle. Völlig perspektivlos, hoffnungslos, leblos.
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Das Spielzeuggeschäft #2

24. September 2008 von Michael

Einige, die trotz allem ein wenig Achtung für die Schöpferin übrig hatten, erfreuten sich an den großen sowie kleinen Häuschen. Sie erfreuten sich auch an der Wärme, die in dem kleinen Geschäft herrschte, wenn sie sich im Winter, durchgefroren von den verschneiten Straßen Paris, hinein in den Laden flüchteten.
Dann tauchten sie ab in eine Welt, in der alles vollkommen und intakt ist. In der es keine menschliches Leid gab, keine Schmerzen, nur die pure Schönheit der Puppenhäuser. Der Puppenhausladen war für die Menschen eine Quelle der Zerstreuung. Eine sehr willkommener Brunnen der Ablenkung und Verdrängung in einer Welt voll Schmerz, Trauer und Missmut.
Die Besitzerin des Spielzeugladens kannte diese Welt nicht, denn sie lebte in ihren zwei kleinen Zimmerchen direkt über dem Laden. In völlliger Einsamkeit, ohne Kontakt zu anderen Menschen. Der einzige Kontakt, den sie zu Menschen hatte, waren ihre Kunden mit denen sie üblicherweise auch nicht viele Worte wechselte.
Mit ihren perfekten Puppenhäusern und den dazu gehörigen ebenso perfekten Teilen, bildete sie nur ihre eigene perfekte kleine Welt ab, denn die Erschafferin kannte gar keinen Schmerz und Einsamkeit.

Schmerz, dass bedeutete für die Besitzerin einzig und allein, keine Puppenhäuser mehr bauen zu können. Denn das war die einzige Passion der Schöpferin und alles, was ihr in ihrem Leben heilig war.
Einsamkeit, das bedeutete für sie nichts. Absolut nichts. Einsamkeit war kein Begriff für die Besitzerin des Spielzeuggeschäfts.

War. Jetzt ist es.

Das Spielzeuggeschäft #1

23. September 2008 von Michael

In einer kleinen Gasse, so wie es sie nur zu Hauf in Paris um 1920 gab, befand sich ein kleiner Spielzeugladen. Dieser Spielzeugladen war schon in der zweiten Generation in Familienbesitz und die jetzige Besitzerin führte das Geschäft schon seit über fünfundzwanzig Jahren.
In dem winzigen kleinen Schaufenster des Ladens standen einige wenige Porzellanpüppchen und ein paar Möbel für Puppenhäuser. Sobald jemand das kleine Geschäft betrat, klingelte ein Glöcklein, dass über der Tür angebracht war und neue Kundschaft ankündigen sollte.
Die Einrichtung des Lädchens bestand aus einigen wenigen Regalen und zwei Vitrinenschränken. In den Regalen standen liebevoll geschriebene Kinderbücher. Hinter den Glastüren der Vitrinenschränke verbargen sich die wahren Schätze dieses Lädchens.
Sorgfältig ausgewählt standen winzige Teekannen, Tassen, Teller, kleine Schränkchen und Vitrinen für Besteck und jene Kannen, Tassen und Teller in den Vitrinenschränken. Dort standen auch ganze Puppenhäuser samt Einrichtung. Liebevollst wurden diese Häuser von der Ladenbesitzerin eingerichtet, als ob sie diese für ihre eigenen Kinder eingerichtet hätte. Die Liebe einer Mutter zeichnete diese Puppenhäuser aus und machten sie so einzigartig.
Doch die Besitzerin war keine Mutter, sie hatte keine Kinder und auch keine Mann, mit dem sie Kinder haben können würde. Vielleicht war das der Grund, weshalb die Besitzerin so viel Herzblut in den Bau ihrer Puppenhäuser steckte. Doch niemand ihrer Käufer fragte jemals danach, wieso sie die
Heime so liebevoll und mit so viel Hingabe baute.