Jeden Morgen die gleiche Prozedur. Der Wecker klingelt. Einmal Schlummern geht noch. Das ganze drei mal, dann muss er sich doch aufraffen, sich aus dem Bett hieven, erst mal aufsetzen und orientieren. Wenn das Bewusstsein so langsam wieder einsetzt muss er erst einmal den dringend benötigten Kaffee, schwarz und ohne Zucker, zur Aktivierung des gesamten Organismus einfüllen. Erst dann kann er sich unter die Dusche stellen, Anziehen, schnell eine Schüssel Müsli hinunterschlingen und sich auf den Weg zur Arbeit machen. Aus der Haustür raus, das altbauliche Treppenhaus mit den knarrenden Dielen hinunter, die jeden Bewohner dieses Hauses verständlich machen, dass er seine Wohnung verlassen hat, durch die große hölzerne Eingangstür auf die Straße. Der Morgen ist an diesem Tag ziemlich kühl, kleine Schwaden seiner Atemluft vernebeln ihm die Sicht.
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Geschichten getaggt mit »Stadt«
Monotonie #1
19. April 2012 von MichaelStadtleben
6. August 2010 von MichaelWie verloren er sich in dieser Stadt vorkam. Überall um ihn herum scheinbar unendlich hohe Mauern aus Stahl und Beton und Glas, fast wie in einer tiefen Felsspalte. Und doch glitzerte und glänze es um ihn herum. Es schien taghell. Dort, wo er her kam war es nachts stockfinster. Lediglich die vereinzelten Straßenlaternen brachten etwas Licht ins Dunkle.
Um nicht weiter dieser Hilflosigkeit ausgeliefert zu sein, beschloss er in eines der zahlreichen gelben Taxis einzusteigen.
Wo genau es hingehen sollte? Ganz egal. Nur dahin, wo die Freiheit nicht so beklemmend ist. Der Taxifahrer grummelte in seinem lateinamerikanischen Akzent nur das Wort Bayside und fuhr dann wortlos Richtung Süden. Je weiter sie sich der Bayside näherten, desto dunkler wurde es um ihn herum. Wortwörtlich schien es ihm, dass sie der Nacht entgegen fuhren. Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm jedoch, dass es schon lange Nacht ist.
Es erstaunte ihn, welche Macht doch von dieser Stadt ausging, wenn sie gar die Nacht ausblenden konnte. Bei dem Gedanken fuhr ihm ein kalter Schauer durch den Körper.
…
Am Zielort angekommen durchfuhr ihn erneut ein kalter Schauer. Dieses mal jedoch kam er von außen und nicht von innen. Ein frischer kühler Wind blies über die Straße. Welch ein Kontrast zur glänzenden Häuserschlucht. Hier konnte er über den Fluss auf die andere Seite blicken. Die hellen Strahler erleuchteten das gesamte Hafengebiet. Überall waren Container in allen erdenklichen Farben zu sehen. Durch dieses Labyrinth aus Containern huschten immer wieder großbeinige Fahrzeuge, die die großen Stahlkartons hin und her bugsierten. Ein interessantes Schauspiel.
Er erinnerte sich an seine Eindrücke aus der Stadt. Auch hier huschten kleine Menschen durch diese riesige Schlucht aus Stahl, Beton und Glas. Diese Stadt, das war ihm nun klar, war ein einziger Ameisenhaufen, in dem alle scheinbar ziellos umher irrten. Die Stadt war ihm unheimlich. Auf dem Land, da war alles geordnet. Hier in der Stadt, da herrscht das pure Chaos.
Das Fenster in den Himmel
20. März 2009 von MichaelDer große Platz, vor dem Theater, mitten in der Stadt, ist das Fenster in den Himmel. Es ist der Freiraum in der Bedrängnis der Stadt. Die Sauerstoffblase in dem Meer aus Menschen und schlechter Luft. Der Puffer zwischen den Reibeisen der Zeit.