Das winterliche Paris war kein Ort, an dem man sich zu dieser Zeit, freiwillig noch hätte herumtreiben wollen. Dennoch gab es einige arme Menschen, die kein warmes Heim hatten, keine Kleider, die sie warm hielten, geschweige denn eine warme Tasse Kakao. Diese armen Menschen kauerten in Hauseingängen, unter Brücken oder in der weihnachtlich geschmückten Bahnhofshalle.
Antoine saß eingewickelt in seine Decke auf dem kalten Bahnhofsboden. Der Boden war so glatt und sauber, dass er sich darin spiegeln konnte. Aber Antoine mochte sich nicht ansehen, denn in seinem Spiegelbild war keine Spur von Weihnachten zu erkennen.
Vor langer Zeit, so kam es ihm zumindest vor, hatte der Krieg Antoine von seiner Familie getrennt. Als Veteran war er eingezogen worden um sein Land zu verteidigen.
Ihm blieb keine Zeit, sich zu verabschieden, denn er war von einem Offizier früh morgens einfach mitgenommen worden. Nach ein paar Wochen geriet er in Gefangenschaft und nur seine Hoffnung, einmal zu seiner Familie zurück zu kehren, hielt ihn lebendig. Im ersten Jahr schrieb Antoine jede Woche einen Brief nach Hause. Nie erhielt er eine Antwort. Er wusste nicht, ob seine Briefe jemals ankamen, denn er musste sie immer aus seinem Gefangenenlager schmuggeln. Nach zwei Jahren dann schrieb er nur noch zu den Geburtstagen, seine Hoffnung, jemals eine Antwort zu bekommen, hatte Antoine praktisch verloren.
Vier lange Jahre kehrte er dann nicht nach Hause, hatte keinen Kontakt und sorgte sich um Frau und Kinder.
Antoine nach Paris zurückkehrte waren seine Frau und Kinder weg. Einfach verschwunden, keine Nachricht, kein Brief. Antoine wusste nicht wohin seine Familie verschwunden war. Er wusste auch nicht ob sie überhaupt noch lebten, ob sie verschleppt worden waren oder ob seine Frau einen neuen Mann gefunden hatte. Zu Tode betrübt irrte Antoine durch Paris auf der Suche nach seiner Familie. Unermüdlich suchte er die Stadt ab, doch er konnte sie einfach nicht finden.
Und so strandete Antoine irgendwann in der großen Bahnhofshalle. Völlig perspektivlos, hoffnungslos, leblos.
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