Es tickt der Wecker, unaufhörlich demonstriert er den Verlust der Zeit. Doch wie schwer wiegt der Verlust, läuft die Zeit doch unendlich weiter?
Geschichten getaggt mit ‘zeitlos’
Jahreszeiten
10. Oktober 2009 von MichaelDer Herbst marschiert
linkszwodreivier
mit festen Schritten
auf die Türe zu bis
zu geschlagen sie
ihm vor der Nase wird
Der Winter marschiert
linkszwodreivier
mit festen Schritten
auf die Türe zu bis
zu geschlagen sie
ihm vor der Nase wird
Der Frühling marschiert
linkszwodreivier
mit festen Schritten
auf die Türe zu die
mit breitem Lächeln sie
ihm aufgehalten wird
Der Sommer marschiert
linkszwodreivier
mit festen Schritten
auf die Türe zu die
mit breitem Lächeln sie
ihm aufgehalten wird
Das Fenster in den Himmel
20. März 2009 von MichaelDer große Platz, vor dem Theater, mitten in der Stadt, ist das Fenster in den Himmel. Es ist der Freiraum in der Bedrängnis der Stadt. Die Sauerstoffblase in dem Meer aus Menschen und schlechter Luft. Der Puffer zwischen den Reibeisen der Zeit.
Tag im Nebel
17. Januar 2009 von MichaelTonnenschwer zogen die Nebelschwaden durch die Landschaft. Eine schwere Last drückt, der Nebel, das Gemüt in dieser finsteren Stunde. Unter dem Tor steht ein bleicher Mensch, erschrocken, eingeschüchtert, verstummt. Der Anblick, die Stimmung und die Atmosphäre die hier vorherrscht entzieht ihm jedes Fünkchen Lebensfreude.
Hinter dem Torbogen, ein großer Platz der nicht überblickt werden kann, weil der Nebel jede Weitsicht verhindert. Schützend verhüllend verdeckt und versteckt er alles, was das Ausmaß dieser Gräueltaten anzeigt. Das ist, was diese Angst ausmacht, die Ungewissheit der Gewissheit, was sich im Nebel verbirgt und entdeckt werden will, was schon längst bekannt und unbewusst geworden ist.
Ohne Titel 4
5. September 2008 von MichaelDas Spiegelbild der Bäume der anderen Seite verschmolz mit den Bäumen auf seiner Seite. Dieser Anblick verleitete ihn zum träumen.
Er legte seinen Kopf nach hinten und lehnte sich gleichzeitig mit ihm an die Fensterscheibe des Zuges. Er sah diese Bäume, die von der einen und die
von der anderen Seite, die zusammen in einem großen gesamten Kunstwerk, verschmolzen.
Die Zeit stand still und doch raste er mit einer unheimlichen Geschwindigkeit durch die Landschaft, vorbei an diesen Kunstwerken. Er genoß es. Als ob er mitten in einem riesigen, sich ständig wandelnden Kunstwerk befand.
Mit jedem Augenschlag aber endete eines dieser Kunstwerke und ein Neues begann sich vor ihm abzuspielen.
Ihm wurde klar, dass sich vor ihm das Leben abspielte. Jedes dieser Kunstwerke war ein Lebensabschnitt. Und er befand sich mitten in einem dieser Abschnitte.
Er fühlte sich zeitlos.